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Presse-Informationen
Landrats-Kandidaten beantworten Wahlprüfsteine der LINKEN
09.05.2010
Landrat Axel Redmer (SPD), Dr. Matthias
Schneider (CDU) und Thomas Petry (Grüne)beantworten die Fragen der
LINKEN.
Die LINKE hat keinen eigenen Wahlvorschlag zur Landratswahl am 30. Mai
im Kreis Birkenfeld eingereicht. Mit ihrer Spitzen-, bzw. Direktkandidatin
Tanja Krauth erhielt die LINKE im Kreis Birkenfeld bei den Kommunalwahlen
5,7 %, bei den Bundestagswahlen 13,5 % der Wählerstimmen. Um
diesem Wählerpotenzial bei der anstehenden Landratswahl eine Orientierungshilfe
zu geben, wurden die Landratskandidaten der SPD, der CDU und der Grünen
angeschrieben und gebeten bis Ende April zu folgenden Positionen des Kreisverbandes
DIE LINKE Birkenfeld Stellung zu nehmen.
Dr. Matthias Schneider antwortete am 28.04. , Landrat Axel Redmer am 30.04.
und die Stellungnahme von Thomas Petry ging am 8. 05. beim Kreisverband
ein.
1.Bürgerhaushalt: DIE LINKE
fordert direkte Einflussmöglichkeiten der Menschen auf Haushaltsentscheidungen
durch die Einführung eines kommunalen Bürgerhaushaltes. Nach
Einberufung dezentraler Einwohnerversammlungen stellen Bürgerinnen
und Bürger ihre Vorschläge und Projekte für den kommunalen
Bürgerhaushalt vor. Diese Konzepte werden zur Abstimmung gebracht
und in einer Prioritätenliste zusammengefasst, die in die Haushaltsplanung
des Rates einfließen.
Würden Sie als Landrat mehr direkte Demokratie im Landkreis durch
die Einführung von Bürgerhaushalten unterstützen?
Antworten:
Dr. Matthias Schneider (CDU): Grundsätzlich ist mehr Demokratie
für die Basis immer zu befürworten. Jedoch bedarf es zur Einführung
des von Ihnen vorgeschlagenen Bürgerhaushaltes grundsätzlicher
Änderungen im kommunalen Rechtsgebäude, was den Kompetenzrahmen
eines Landrates bei weitem überschreiten dürfte. Um diese Frage
aber letztendlich mit einem verbindlichen Ja oder Nein beantworten zu
können, bräuchte ich konkretere Angaben zur Umsetzung in der
Praxis. So stellt sich für mich z.B. eine wesentliche Frage, ob der
Bürgerhaushalt streng budgetiert sein sollte, damit die Kommunen
auch noch den Rest ihrer Aufgaben planmäßig erfüllen können?
Sollen die in den dezentralen Einwohner-versammlungen gefassten Beschlüsse
dann alle in einem Haushaltsjahr umgesetzt werden oder über mehrere
Jahre gestreckt werden?
Viele Bürger fühlen sich von der Politik ausgegrenzt und nicht
genügend wahr genommen. Ich denke aber, dass das Modell eines Bürgerhaushalts
ein durchaus zu diskutierender Ansatz wäre, um Menschen wieder stärker
für politische Arbeit auch außerhalb von Parteiorganisationen
zu interessieren, an der Entwicklung ihrer Wohnorte zu beteiligen und
auch in die Mitverantwortung zu nehmen. Voraussetzung ist natürlich,
dass ausreichend finanzielle Mittel vorhanden sind, um das Interesse an
diesem Gestaltungsspielraum zu wecken.
Landrat Axel Redmer (SPD): Ich kann
mir durchaus vorstellen, bei der künftigen Haushaltsgestaltung Elemente
direkter Demokratie im Sinne eines Bürgerhaushaltes einzusetzen.
Voraussetzung dafür wäre, dass sich zunächst die Kreisgremien
näher mit dem System der Bürgerhaushalte befassen und ein Rahmen
der Aufgaben geschaffen wird, der plebiszitär regelbar ist. Dann
müsste sichergestellt werden, dass die gesetzliche Kernaufgabe des
Kreises - einen Ausgleich zwischen den einzelnen Kreisgebieten zu schaffen
- nicht verletzt wird. Wenn die großen Einheiten die kleinen Einheiten
überstimmen würden, kämen beispielsweise Interessen der
Verbandsgemeinde Rhaunen nie zum Tragen.
Sofern man den Bürgerhaushalt ernst nimmt und nicht bloß als
billiges Lippenbekenntnis im Wahlkampf missbraucht, müsste ein solches
Projekt intensiv und sorgfältig vorbereitet werden.
Schließlich wäre darauf zu achten, dass durch den Bürgerhaushalt
nicht Erwartungen geweckt werden, die angesichts unserer Haushaltslage
von der Kommunalaufsicht (ADD in Trier) zunichte gemacht werden. Der so
entstehende Frust wäre sonst erheblich.
Thomas Petry (Grüne): Der Wunsch
eines Bürgerhaushaltes kann ich nur voll umfänglich unterstützen!
Über die Art und Weise wie dies in der derzeitigen Konstellation
möglich ist, wäre eine intensive Beratung über die Möglichkeiten
der Umsetzung zu beraten.
Darüber hinaus würde ich als Landrat jegliche Form der Bürgerbeteiligung
und die direkte Demokratie unterstützen!
2.1-Euro-Jobs: DIE LINKE ist der
Auffassung, dass 1-Euro-Jobs reguläre Arbeitsplätze verdrängen,
und fordert die Umwandlung aller Ein-Euro-Jobs im Kreis Birkenfeld in
sozialversicherungs-pflichtige tariflich bezahlte Beschäftigungsverhältnisse
sowie die Einführung eines öffentlich geförderten Beschäftigungs-sektors
(ÖBS) im soziokulturellen und ökologischen Non-Profit-Bereich
mit dauerhaften, sozial und tariflich gesicherten Arbeitsplätzen.
Würden Sie als Landrat im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Umwandlung
von 1-Euro-Jobs in sozialversicherungspflichtige tariflich bezahlte Beschäftigungsverhältnisse
und die Einführung eines öffentlich geförderten Beschäftigungssektors
im Kreis Birkenfeld unterstützen?
Antworten:
Dr. Matthias Schneider (CDU): Aus der eigenen Erfahrung kenne ich
die verschiedenen Seiten des 1-Euro-Jobs und der Problematik des sog.
Zweiten Arbeitsmarktes. Das Bedürfnis der sozialen Anerkennung
auf dem Arbeitsmarkt und in unserer Gesellschaft lässt sich hier
für meine Begriffe nur unzureichend befriedigen. Nach meiner Kenntnis
geht es bei den 1-Euro-Jobs darum, Alg-II-Bezieher wieder in den ersten
Arbeitsmarkt zu führen und es handelt sich nur um eine Mehraufwandsentschädigung.
Oft wird bemängelt, dass es durch 1-Euro-Jobs auf dem Markt zu Wettbewerbsverzerrung
kommen könne oder regulär Beschäftigte durch Einsatz von
1-Euro-Jobbern verdrängt würden. Auf derartige Fehlentwicklungen
gibt es Hinweise. Sollten sich diese Fehlentwicklungen erkennbar ausweiten,
muss tatsächlich über eine grundsätzlich andere Verfahrensweise
nachgedacht werden, wo ich gerade im soziokulturellen Bereich große
Potenziale sehe. Davon unabhängig muss aber die Grundidee des 1-Euro
Jobs im Auge behalten werden, nämlich die Rückkehr in den 1.
Arbeitsmarkt.
Landrat Axel Redmer (SPD):Ich halte
schon den Begriff des "Ein-Euro-Jobs" für zynisch und kann
nicht verstehen, warum man im Zusammenhang mit Hartz IV einen solchen
Begriff geprägt hat, der viele Betroffene abstempelt und verletzt.
Meiner festen Überzeugung nach brauchen wir im öffentlichen
Bereich unbedingt einen zweiten Arbeitsmarkt, von daher habe ich viel
Sympathie für die Einführung eines öffentlich geförderten
Beschäftigungs-sektors. Aufgaben dafür hätten wir genug.
Thomas Petry (Grüne): Selbstverständlich
sollten diese Arbeitsverhältnisse sozialversicherungspflichtig sein
wie übrigens alle Arbeitsverhältnisse dies sein sollten! Allerdings
wird dies einen neuen zusätzlichen Tarifvertrag hervorrufen, darüber
sollten wir uns allerdings im Klaren sein! Was sie sich offiziell wünschen
ist die Legalisierung des längst bestehenden 2., 3. und eines weiteren
4. Arbeitsmarktes.
Die Einführung eines öffentlich geförderten Beschäftigungs-sektors
wird im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten unterstützt und
gefördert!
3.Sozialticket: Weil die Wahrnehmung
der im Sozialpass angebotenen Leistungen für viele Geringverdiener
an den zu hohen Fahrpreisen scheitert, fordert die LINKE die Einführung
eines kreisweiten Sozialtickets mit stark ermäßigten Fahrpreisen
im ÖPNV für den gleichen Personenkreis, der soziapassberechtigt
ist. Der Kreistag hat hierzu einstimmig die Kreisverwaltung beauftragt,
Gespräche mit den Verkehrsbetrieben zu führen.
Wie könnten Sie sich darüber hinaus als Landrat für die
Einführung eines Sozialtickets mit stark ermäßigten Fahrpreisen
im Kreis Birkenfeld einsetzen?
Antworten:
Dr. Matthias Schneider (CDU): Sozialtickets können dazu beitragen,
Menschen mit geringem Einkommen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben
zu ermöglichen. Dies ist besonders wichtig, wenn es um den täglichen
Weg zur Arbeit geht, v. a. sollte hier an 1-Euro-Jobber gedacht werden.
Auch Menschen mit geringem Einkommen eine ausreichende Mobilität
zu sichern, ist ganz wichtig. Da die Einnahmen aus den Sozialtickets vermutlich
nicht die Kosten im ÖPNV decken, muss das Defizit von der öffentlichen
Hand aufgefangen werden. In diesem entscheidenden Punkt muss zunächst
die weitere Entwicklung der Haushaltslage abgewartet werden. Ich halte
es aber angesichts der soziostrukturellen Entwicklungen in unserem Landkreis
für durchaus gerechtfertigt, die grundsätzliche Einführung
eines Sozialtickets gegenüber Land und Bund anzumahnen.
Landrat Axel Redmer (SPD): Wir unterhalten
keine eigenen Naheverkehrsbetriebe wie beispielsweise viele Städte,
sondern sind in einem Nahverkehrsverbund organisiert. Dadurch sind viele
Bus- und Bahntarife wesentlich billiger als in vielen anderen Regionen
Deutschlands. Innerhalb dieses Verbundes haben wir bereits eine Fülle
von Sondertarifen geschaffen, von denen viele Gruppen mit oft geringem
Einkommen profitieren. Der Normaltarif ist dadurch vergleichsweise hoch
bei uns. Das ist die Kehrseite von Sondertarifen, weil insgesamt kostendeckend
gearbeitet werden muss. Das von uns angestrebte Sozialticket soll einerseits
so in das Tarifgefüge eingebaut werden, dass die Kostendeckung am
Ende erhalten bleibt und muss andererseits von allen Partnern im Verbundsystem
mitgetragen werden, sonst kann es nicht eingeführt werden. Wir werden
deshalb weiter Gespräche führen, warnen aber davor, Erwartungen
zu wecken, die am Ende vielleicht nicht eingehalten werden können.
Thomas Petry (Grüne): Da die
Grünen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in der nächsten
Legislaturperiode in der Landespolitik einen nicht unerhebliche Rolle
spielen werden, können Sie davon ausgehen, dass ich mich verstärkt
für innovative und zukunftsträchtige ÖPNV-Konzepte für
unseren Landkreis stark machen werde. Dies habe ich bereits zu meiner
Nominierung in der Presse kundgetan. Ob man die Menschen jedoch zuerst
mit einem Stempel der Bedürftigkeit versieht oder ob man nicht besser
eine gleichberechtigte Fahrpreisgestaltung für Alle umsetzt erschließt
sich mir aus dieser Fragestellung nicht!
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4.Unabhängige Sozial-Beratungs-stellen: Auch im Kreis Birkenfeld
ist ein großer Teil der ALG-II-Bescheide falsch, und das häufig
zum Nachteil der Antragsteller. Damit auch Arbeitslose ihre Rechte wahrnehmen
können, fordert DIE LINKE die Einrichtung einer unabhängigen
wohnortnahen Beratung zum SGB (Sozialberatung),
insbesondere für Arbeitslose bei Auseinandersetzungen mit der ARGE
bzw. Arbeitsagentur (etwa zur Formulierung von Anträgen und Widersprüchen).
Beratungsstellen sollten in den Verbandsgemeinden Baumholder, Birkenfeld,
Herrstein und Rhaunen sowie in der Stadt Idar-Oberstein geschaffen werden.
Welche Möglichkeit sehen Sie als Landrat diese Forderung zu unterstützen
oder umzusetzen?
Antworten:
Dr. Matthias Schneider (CDU): Beratungen
zu Problemen bei ALG-II-Bescheiden sollten in der Tat unabhängig
sein. Insofern kommen für mich vor allem soziale Einrichtungen, vor
allem aus dem Ehrenamt in Betracht. Hierdurch würde sich auch ein
weitaus flächendeckenderes Netz als nur die von Ihnen genannten Standorte
erreichen lassen. Das wäre z.B. ein Thema, das in dem von mir angeregten
Sozialbeirat weiter entwickelt werden sollte.
Landrat Axel Redmer (SPD): Bei der
Einführung der ARGEn waren wir für die Beibehaltung dezentraler
Strukturen in der Stadt Idar-Oberstein und den Verbandsgemeinden, weil
wir überzeugt waren, dass dort wohnortnäher und mit besserer
Personenkenntnis entschieden werden kann. Leider war das nicht verhandelbar,
weil die Bundesagentur für Arbeit auf zentralistische Strukturen
setzte. Insofern habe ich mit unabhängigen Sozial-Beratungsstellen,
die bei den Verbandsgemeinden und der Stadt Idar-Oberstein angesiedelt
sein sollen, keine Probleme, muss aber darauf hinweisen, dass dies nur
im Konsens geht. Wir als Kreis können das weder einseitig festlegen
noch sonstwie gegen den Willen der Beteiligten durchsetzen.
Thomas Petry (Grüne): Ihre Aussage
dass ein großer Teil der ALG-II Bescheide falsch seien wurde auf
Anfrage als unwahr abgetan.* Bitte liefern Sie mir doch konkrete
Zahlen um wie viele Fälle von 1oo % es sich tatsächlich handelt.
Und bitte unterbreiten Sie einen konkreten Finanzierungsvorschlag, wie
diese Stellen an den fünf Standorten dauerhaft ausgestattet sein
sollen. Da es bereits eine Vielzahl von Beratungsstellen gibt, sollte
unbedingt eine Koordinationsstelle überprüfen wo es hierzu bereits
Überschneidungen der gleichen Bedarfsfelder gibt.
5.Basisiabdichtung Uranaufbereitungsanlage
Ellweiler: DIE LINKE fordert eine Basisabdichtung für das radioaktive
Material der Uranaufbereitungsanlage Ellweiler, weil sie davon ausgeht,
dass bei Hochwasser radioaktives Material ausgeschwemmt und über
den Steinaubach in die Nahe gelangen kann.
Halten Sie die Sanierung des Geländes der ehemaligen Urananlage Ellweiler
im Steinautal für ausreichend und langfristig gesichert, oder würden
Sie als Landrat die Forderung der LINKEN unterstützen, dass in dieser
Tallage zum Schutz der Bevölkerung und der Natur eine Basisabdichtung
erfolgen muss?
Antworten:
Dr. Matthias Schneider (CDU): Ich
kenne die Einzelheiten um die Qualität der Lagerstätte bei Ellweiler
nicht, weiß jedoch, dass die mangelnde Lagerstättenqualität
immer wieder von verschiedenen Seiten kritisiert wurde. Aufgrund der sich
verändernden Klimaveränderungen müssen wir zunehmend mit
Hochwasserereignissen rechnen. Sollte diese Entwicklung nicht mit der
Lagerstättenqualität vereinbar sein, ist natürlich eine
grundlegende Sanierung der Lagerstätte, wie von Ihnen vorgeschlagen,
angezeigt.
Landrat Axel Redmer (SPD): Ich war
Ende der 1980er-Jahre lange und intensiv mit der Aufarbeitung des Themenkomplexes
Urananlage Ellweiler beschäftigt und habe mit der SPD-Kreistagsfraktion
wesentlich zur Sanierung der Urananlage Ellweiler beitragen können.
Als ich dann im Landtag war, hat die sozialliberale Landesregierung rasch
die Problematik der Haldensanierung angepackt. Wir hätten uns damals
eine weitergehende Sanierung gewünscht. Die war aber weder durchsetzbar
noch bezahlbar. In heutiger Zeit sehe ich noch größere Probleme,
was die Finanzierbarkeit anbetrifft. Überdies muss bedacht werden,
das es bislang keine Nachweise dafür gibt, dass unsere damaligen
und Ihre heutigen Befürchtungen, was die Ausspülung durch eine
fehlende Basisabdichtung anbetrifft, beispielsweise bei den schweren Hochwassern
von 1993 und 1995 zum Tragen kamen.
Die Sanierung der Urananlage ist nicht für die Ewigkeit. Sie wird
gegenwärtig beobachtet und muss auf Dauer weiter beobachtet werden.
Im Zuge der Überwachung muss entschieden werden, ob und gegebenenfalls
wann neue Sanierungsschritte notwendig sind (Beispielsweise, wenn die
Planen nicht mehr ihre Schutzfunktion erfüllen).
Thomas Petry (Grüne): Sie stellen
die Frage ob, hier nicht eine Basisabdichtung der Halden notwendig wäre,
da sie ja auch im Einzugsbereich des Steinaubaches liegen. Am allerwichtigsten
ist es hier den dauerhaften Schutz der Bevölkerung zu garantieren.
Sicherlich ist die damalig durchgeführte Sanierung nicht optimal
verlaufen .Da der Verursacher, die Abbaufirma Gewerkschaft Brunhilde
aufgelöst ist ging die Sanierung zu Lasten des Steuerzahlers. Eine
Basisabdichtung im Nachhinein einzubauen ist schwierig, denn man müsste
die Halden abbaggern und hinterher wieder aufbauen. Dabei besteht jedoch
die große Gefahr, dass strahlendes Erdmaterial und Stäube in
die Umwelt gelangen. Diese Gefahr wäre auch bei einem Abtransport
des Materials gegeben. Aus meiner Sicht wäre es notwendig in einem
Monitoringverfahren ständig Messwerte in den Gewässern Steinaubach
und evtl. Nahe zu ermitteln, die für jeden Bürger zugänglich
sind. Ein solches Monitoringverfahren müsste nach wissenschaftlichen
Gesichtspunkten von einem unabhängigen Institut durchgeführt
werden. Falls sich dann bedenkliche Messwerte zeigen müsste über
weitere Sanierungsmaßnahmen nachgedacht werden.
Direkt neben den Halden befindet sich die Landessammelstelle für
schwach und mittelstark strahlende Abfälle. Da auch für diese
Materialien kein Endlager gibt verbleibt der Müll, der nicht mehr
aufbereitet werden kann. Über die Sicherheitseinrichtungen und Vorsorgeszenarien
hierfür ist mir nichts bekannt. Auch hier wären die oben aufgezeigte
transparente Überwachungsverfahren noch viel dringender erforderlich
,wie an den Halden.
Die Finanzierung sollte über das Verursacherprinzip gelöst werden.
6.DIE LINKE - Keine Steuersenkungen
auf Bundesebene: Würden Sie als Landrats in Berlin gegen Steuersenkungen
intervenieren und Ihre jeweilige Partei auffordern, keinen Steuersenkungen
zuzustimmen, da der Bundeshaushalt sich in einer Schieflage befindet und
jede Steuersenkung daher Leistungskürzungen z. B. im Sozialbereich
oder bei den Länder- und Gemeindefinanzen nach sich zieht?
Antworten: Dr. Matthias Schneider (CDU):
Die von der FDP geforderten, umfangreichen Steuersenkungen sind nach den
heutigen Pressemeldungen deutlich reduziert worden. Steuersenkungen machen
für meine Begriffe nur dann wirklich Sinn, wenn man sie sich, gerade
im Hinblick auf den Sozialetat, auch leisten kann.
Landrat Axel Redmer (SPD): Was uns
auf Bundesebene fehlt, ist eine umfassende Diskussion darüber, was
ein moderner, sozialer, gerechter und auf Freiheit beruhender Staat insgesamt
leisten muss und wie er dafür finanziell auszustatten ist. Schon
die Senkung der Hotelsteuer am Jahresanfang war volkswirtschaftlich unsinnig
und für die Kommunen ein weiterer Schritt zur finanziellen Handlungsunfähigkeit.
Sozialdemokraten haben deshalb gegen diese Steuergesetzgebung gestimmt.
Auch für die nahe Zukunft ist nicht zu erwarten, das Vertreter meiner
Partei in Berlin Steuersenkungen befürworten. Sollten sie es dennoch
tun, würde ich ihnen widersprechen.
Thomas Petry (Grüne): Ja dafür
würde ich plädieren! Keine Steuersenkung auf Bundesebene ohne
eine konkrete und detaillierte Gegenfinanzierung!
7.Afghanistan:
DIE LINKE fordert als bisher einzige Partei den Abzug der deutschen Truppen
aus Afghanistan. Würden Sie diese Forderung unterstützen?
Antworten:
Dr. Matthias Schneider (CDU): Einen
dauerhaften Verbleib der Bundeswehr in Afghanistan befürworte auch
ich nicht. Zunächst müssen aber in Afghanistan für die
Bevölkerung stabile und kalkulierbare Lebensverhältnisse hergestellt
werden.
Landrat Axel Redmer (SPD): Ohne eine
zusätzliche Gefährdung der in Afghanistan stationierten Soldaten,
ist ein sofortiger Abzug der dortigen deutschen Truppen nicht möglich.
Deshalb plädiert die SPD für eine Politik, die das Mandat in
Afghanistan innerhalb eines bestimmten - möglichst kurzfristigen
- Zeitkorridors zu einem Ende führt. Diese Vorgehensweise scheint
mir sinnvoll und nachvollziehbar zu sein. Im Übrigen hat Helmut Schmidt
recht, der von Anfang an vor leichtfertigen Auslandsstationierungen gewarnt
hat, weil Deutschland und die NATO sich übernehmen, wenn sie "Weltpolizist"
sein wollen.
Thomas Petry (Grüne): Mittelfristig
bzw. so schnell als möglich ohne weitere Menschenleben zu riskieren.
Allerdings wäre ich dort erst gar nicht einmarschiert!
*
Anmerkung der LINKEN zu falschen ALG-II Bescheiden: Dass die ARGE (bei
der Herr Petry angefragt hatte) keine falschen ALG-II Bescheide kennt,
ist nicht verwunderlich. Bundesweit kann nach Angaben von Sozial- und
Erwerbsloseninitiativen davon ausgegangen werden, dass weit über
die Hälfte aller Bescheide falsch sind. Auch die vielen erfolgreichen
Klagen vor den Sozialgerichten belegen dies. Beistände und Betroffene
der Idar-Obersteiner Hartz-IV-Selbsthilfegruppe nennen ähnliche Zahlen
auch für den Kreis Birkenfeld ( insbesondere für die ARGE Idar-Oberstein).
rab (KV DIE LINKE. Birkenfeld)
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