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Presse-Informationen
Kreistags-Fraktion DIE LINKE kritisiert Schulbuchausleihsystem
11.06.2010
Kreistag Birkenfeld diskutiert Tischvorlage
der LINKEN zum rheinland-pfälzischen Schulbuchausleihsystem
In der Kreistagssitzung am 07. Juni 2010 verteilten Tanja Krauth und Rainer
Böß von der Kreistagsfraktion DIE LINKE eine Tischvorlage zum
Tagesordnungspunkt Beschlussempfehlung über die Bereitstellung
von außerplanmäßigen Haushaltsmitteln für die Schulbuchausleihe
und schufen damit die Voraussetzung für eine sich anschließende
intensive und weitestgehend sachliche Diskussion.
Aus Sicht der Kreistagsfraktion DIE LINKE enthält das neue
System der Schulbuchausleihe massive finanzielle und organisatorische
Probleme für Kinder, Eltern, Schulen, Lehrerinnen und Lehrer
und Schulträger und ist ein sehr problematischer Schritt auf dem
Weg zur von der LINKEN geforderten absoluten Lehr- und Lernmittelfreiheit.
Zum Teil wurden die von der LINKEN Kreistagsfraktion angeführten
Kritikpunkte am Schulbuchausleihsystem auch von anderen Kreistagsmitgliedern
im Verlauf der etwa einstündigen Kreistags-Diskussion aufgegriffen
und geteilt.
Das im Landtag beschlossene Schulbuchausleihsystem wird allenfalls für
die bisherigen Bezieher von Lernmittelgutscheinen kostenlos sein. Alle
anderen, darunter leider auch sehr viele einkommensschwache Familien,
müssen für die Ausleihe der Schulbücher nach wie vor rund
ein Drittel des Kaufpreises bezahlen und dafür aber gleichzeitig
erhebliche Nachteile in Kauf nehmen.
Die Absicht der Landesregierung, die neue Schulbuchausleihe über
ein zentrales Internetportal zu organisieren, lässt völlig außer
Acht, dass es nach wie vor viele einkommensschwächere Eltern gibt,
die keinen Internetzugang besitzen. Deshalb müsste von Anfang
an sichergestellt werden, dass überall im Land niederschwellige Ausleihmöglichkeiten
bereitgehalten werden. Die in den Schulen bereitgestellten Computer sind
nach Ansicht der LINKEN dafür nur eingeschränkt nutzbar, denn
gerade die Familien, die unbedingt auf diese Unterstützung angewiesen
sind, haben oft eine Scheu vor Formularen und meiden Gemeinde-, Kreis-
und Schulverwaltung wo sie nur können. Zudem muss die Schulverwaltung,
wie von einem FDP-Mitglied in der Kreistagssitzung angemerkt wurde, dann
Personal zur Computerbedienung abstellen.
Es ist auch nicht geregelt, welche Konsequenzen
die Rückgabe von Schulbüchern in einem nicht mehr verwertbaren
Zustand haben soll. Wer bezahlt z. B. , wenn die Schule bei der Rückgabe
eines beschädigten Buches nicht ordentlich kontrolliert und ausführlich
die Schäden dokumentiert?
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Wer am Verleihsystem teilnimmt muss alle Bücher bestellen, ein Zukauf
von gebrauchten Büchern ist nicht mehr möglich.
Das Arbeiten mit geliehenen Büchern, etwa das Markieren von Texten,
ist nicht mehr möglich. Zudem sind Schulbücher Arbeitsmittel,
die zum Teil auch so konzipiert sind, dass Eintragungen in den Büchern
vorgenommen werden müssen!
Nach dem Ende des Schuljahres müssen die Bücher wieder an die
Schule zurückgegeben werden. Auch wenn es generell möglich ist,
dass Bücher eines Vorjahres vereinzelt ausgeliehen werden können,
ist ein spontanes Nachschlagen oder die Auffrischung von Wissen, bzw.
das Lernen für Prüfungen nur noch unter sehr erschwerten Bedingungen
möglich. So wird, nach Ansicht der LINKEN, ein Zweiklassensytem
zwischen Schülern mit neuen, eigenen und denen mit geliehenen Büchern
eingeführt.
DIE LINKE weist auch darauf hin, dass durch das erforderliche europaweite
Auftragsauschreibungsverfahren viele ortsansässige Buchhändler,
deren wirtschaftliche Existenz vom Schulbuchgeschäft abhängig
ist, massiv benachteiligt werden.
Zwei Kreistagsmitglieder versuchten die
Diskussion mit dem Hinweis, das wäre ja alles schon längst im
Landtag entschieden worden, zu beenden.
Die Fraktions-Sprecherin der LINKEN, Tanja Krauth: Der
Kreistag ist kein Abnick-Verein oder der willige Erfüllungsgehilfe
einer Landes-regierung. Spätestens seit dem Einzug der LINKEN
in den Kreistag sollte jedem klar sein, dass viele vorher vielleicht selbstverständliche
Abläufe kritisch hinterfragt werden. Und wenn im rheinland-pfälzischen
Landtag ein offensichtlich unsoziales, praxisfernes und mit enorm viel
Bürokratie verbundenes Ausleihsystem beschlossen wird, muss man
das auch auf der kommunalen Ebene, wie z. B. Im Kreistag, diskutieren
und kritisieren können!
Rainer Böß, der stellvertretende
Fraktionsvorsitzende: Mit dem hier betriebenen finanziellen Aufwand
hätte die SPD-Landesregierung das bestehende Lernmittelgutschein-System
ein großes Stück weiter in Richtung der von der LINKEN geforderten
absoluten Lehr- und Lernmittelfreiheit ausbauen können. Das wäre
sozial gerechter gewesen.
Nach Auffassung der LINKEN müssen alle
Kinder in der Ausbildung, in der Schule (und im vorschulischen Bereich)
die selben Rechte haben. Allen Kindern muss eine kostenfreie Ausbildung
angeboten werden, die soziale Trennung muss beendet werden. Es sei
ein Skandal, so Tanja Krauth, dass in Deutschland die Schulbildung der
Kinder vom Geldbeutel der Eltern bestimmt wird!
rab (KV DIE LINKE. Birkenfeld)
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