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Themen
Unser Standpunkt zu
"Reformen" 2007
02.01.2007
Die Regierung Merkel hat viele kleine und
große Reformen auf dem Weg gebracht, die ab dem 1. Januar 2007 "greifen"
sollen. Wie gewohnt, ist die Umverteilungs-maschinerie "von unten
nach oben" wieder beschleunigt worden. Im dogmatischen Zeitalter
des Neoliberalismus gibt es keine Alternativen zu der Reformwut, so beteuern
Merkel, Müntefering und Co.
Dass Reform längst nicht mehr das ist was es ursprünglich mal
bedeutete, nämlich die Verbesserung für die Mehrheit des Volkes,
ist mittlerweile bei den Deutschen angekommen. Sie geben bei jeder Umfrage
immer in größeren Scharen an, dass sie nicht mehr an die Reformen
glauben. Laut einer Forsa-Umfrage glauben 82 Prozent der Deutschen,
dass das Volk politisch nichts zu sagen hat. Und noch mehr Menschen bezweifeln,
dass Wahlen etwas ändern. Die Realität hat sie das gelehrt.
Während die Politik- und Medienelite weiterhin sich einredet, man
muss es dem Volk nur richtig und oft genug kommunizieren, wie gut die
Reformen in Zeiten der herbei geredeten Globalisierung und der demografischen
Veränderungen allen gut tun würden.
Bei dieser Dreistigkeit denkt man unvermittelt an Georg Orwells Satz:
"Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten
- wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten -, dann ging die Lüge
in die Geschichte ein und wurde Wahrheit."
Außer den Geschenken an die Großunternehmer - Senkung der
Körperschaftssteuer in Höhe von ca. 6 Mrd. Euro und Nichteinführung
einer Vermögenssteuer - hat der Normalbürger nicht viel zu lachen
im Jahr 2007. Denn bei ihm wird weiter kräftig in den Geldbeutel
gegriffen.
Mehrwertsteuer
Von allen Seiten wurde die Erhöhung der Mehrwertsteuer kritisiert.
Die einen kritisierten, weil sie grundsätzlich alle Steuern am liebsten
abschaffen würden (und den Staat gleich mit). Die anderen kritisierten,
weil schnell ersichtlich ist, wer hier wieder am meisten betroffen ist.
Nämlich die Arbeitnehmer, Arbeitslosen, Rentner und Studenten. Bei
geringem Einkommen muss ein Großteil verkonsumiert werden. Da die
Einkommen und Transferleistungen aber seit Jahren sinken werden sie ganz
einfach weniger kaufen können. Mehr- und Spitzenverdiener leiden
nicht in dem Masse unter einer Mehrwertsteuererhöhung, da sie bei
zunehmendem Einkommen überproportional mehr sparen und der prozentuale
Konsum abnimmt. Der Einzelne wird die Mehrwertsteuererhöhung vielleicht
nicht gleich bemerken. Der 2,6prozentige Aufschlag (Mehrwertsteuer wird
auf Basis des Nettopreises erhoben) auf die 16-Prozent-Artikel (Grundnahrungsmittel
und Zeitungen bleiben bei 7 Prozent) führen zu einer durchschnittlichen
Preiserhöhung von 1,5 - 2 Prozent. Dem Staat soll es 20 Mrd. Mehreinnahmen
bescheren. Dem Einzelhandel, den Gaststätten und dem gerade aufstrebenden
Baugewerbe (Stichwort "Vorzugskäufe") wird es sehr schaden.
Dies mündet dann wieder in Arbeitsplatzabbau und Minijobs. Nur die
Exportindustrie wird von dieser Steuererhöhung profitieren. Die stark
florierende deutsche Elektro- und Metallindustrie kann damit weiteren
Boden -insbesondere- im europäischen Wettbewerb gut machen. Denn
beim Export wird die Mehrwertsteuer aus dem Herkunftsland abgezogen und
lediglich die Mehrwertsteuer des Ziellandes bezahlt. Während die
nach Deutschland importierenden Konkurrenten zukünftig drei Prozent
mehr bezahlen werden. Dieser Prozess führt indirekt zu einer Schwächung
des Euros.
Pendlerpauschale
Die Kürzung der Pendlerpauschale ist verfassungsrechtlich noch umstritten
und wird die Gerichte noch beschäftigen. Während unsere Politiker
und Wirtschaftskapitäne Tag aus Tag ein mehr Mobilität der Arbeitnehmer
und Arbeitslose fordern, kürzen sie, ohne mit den Wimpern zu zucken,
die Pendlerpauschale. Das heißt, in Zukunft können Entfernungen
unter 20 km gar nicht mehr steuerlich zur Entlastung führen (bisher
mit 30 Cent pro Kilometer Wegstrecke - nur Hinfahrt). Ab dem 21. Kilometer
bleibt alles beim Alten. Die ersten 20 km werden allerdings nicht mehr
berücksichtigt. Es sei daran erinnert, dass an der Pendlerpauschale
auch schon von der neoliberalen Vorgängerregierung gefummelt wurde.
2002: 36 Cent für die ersten 10 km, 40 Cent für jeden weiteren
Kilometer. Zwei (!) Jahre später dann eine pauschale Senkung auf
30 Cent.
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Grundsätzlich lässt sich dazu
sagen, dass natürlich nicht unbedingt die Mehrbenutzung von privaten
PKWs unterstützt werden sollte. Aber auch hier verhält es sich
wie bei der Rente mit 67. Vielleicht könnten die Menschen wirklich
etwas länger arbeiten bei einer höheren Lebenserwartung. Aber
in der Realität wird das Alter der "Arbeitstauglichkeit"
Jahr um Jahr heruntergesetzt, sodass die Rente 67 ganz einfach eine unverschämte
Rentenkürzung ist. Das gleiche passiert bei der Pendlerpauschale.
Statt im Zuge der Kürzung die Öffentlichen Verkehrsmittel zu
vergünstigen (zumindest für sozial Schwächere) steigen
hier die Preise exorbitant. Die Bahnpreise steigen auf regionaler Ebene
um 3,9 Prozent und bei Fernreisen um 5,6 Prozent. Auf die Preissteigerungen
nach Vollendung der Bahnprivatisierung darf man schon gespannt sein.
Familien- und Kindergeld
Für Kinder die nach dem 1. Januar 2007 geboren werden, gibt es das
Familiengeld für 12 bzw. 14 Monate. Dies beträgt 67 Prozent
des letzten Einkommens. Die Untergrenze liegt bei 300 Euro, die Obergrenze
bei 1.800 Euro. Bisher gab es das Erziehungsgeld für alle (wählbar
für 12 Monate - 450 Euro/ Monat - oder 24 Monate - 300 Euro/ Monat
-). Hier werden offensichtlich nur die Besserverdienenden profitieren.
Geringverdiener, Arbeitslose und Studenten schauen in die Röhre -
150 Euro Kürzung.
Die Altergrenze für das Kindergeld wird ab dem Jahrgang 1983 von
27 auf 25 Jahre gedrückt. Dies betrifft besonders wieder sozial Benachteiligte
und Studenten die den zweiten Bildungsweg einschlagen (Studieren nach
einer Berufsausbildung). Das Bafög wurde seit sieben (!) Jahren
nicht mehr angepasst und jetzt fehlen ab dem 25. Lebensjahr weitere 154
Euro monatlich. Zusätzlich werden in vielen Bundesländern
Studiengebühren eingeführt. Wie sollen junge Menschen
bei dieser Art von Ausgrenzungspolitik zur Aufnahme eines Studiums ermutigt
werden?
Man kann die Liste noch fortsetzen mit den
Einschnitten beim Sparerfreibetrag, Steuerliche Geltungmachung des
Arbeitszimmers, Versteuerung der Renten, Versicherungssteuer, Absetzbarkeit
von Steuerberatungs-kosten, Beimischungsgebot Bio-Sprit, Kranken- und
Rentenkassen-beitrags-erhöhungen und die Alibi-Reichensteuer.
Kurz erwähnt werden soll hier noch die weitestgehend totgeschwiegene
Veränderung bei den Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschlägen.
Ab einem Stundenlohn von 25 Euro müssen in Zukunft Sozialversicherungsbeiträge
bezahlt werden. Steuerfrei ist weiterhin alles unter 50 Euro. Somit wurde
auch diese heilige Kuh der SPD (allein die Beteuerung der SPD, diese Sonderzuschläge
nicht anzutasten, brachte eine nicht zu unterschätzende Anzahl von
Wählerstimmen) geopfert und reiht sich in der langen Liste der Wahllügen
von Müntefering und Beck ein. Die Anzahl der Menschen, die Wochenend-
und Nachtarbeitschichten einlegen müssen, ist in den letzten 15 Jahren
von 38 Prozent auf 51 Prozent gestiegen und betrifft somit knapp 20 Millionen
Arbeitnehmer.
Ach ja natürlich, und der Hartz-4-Satz
wird in Ostdeutschland (bisher 331 Euro) dem "West-Niveau" (345
Euro) angeglichen. Diese Wohltat hat den neoliberalen Agenda 2010 Anhängern
allerdings sehr viel Überwindung gekostet. Im Gegenzug können
sie jetzt den Arbeitslosen die Stütze komplett streichen. Ein toller
Schachzug!
Bei so vielen Scherereien der maßlosen
Eliten, gestützt vom Brainwashing ihrer Nachplapperer und Helfershelfer
in den Mainstream-Medien ruft man sich wieder in Erinnerung, was eigentlich
selbstverständlich sein sollte. Eine Präambel in der Schweizer
Verfassung beschreibt es am besten: "Die Stärke eines Volkes
misst sich am Wohl der Schwachen."
Andre Thiessen (WASG-KV-Birkenfeld)
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